© Klaus Graf 1999, 2003
Chronogram [...] An inscription in which certain numeral letters, made to appear specially conspicuous, on being added together, express a particular date or epoch, as in the motto of a medal struck by Gustavus Adolphus in 1632: ChrIstVs DVX; ergo trIVMphVs. - the capitals of which give, when added as numerals, the sum 1632. (Websters Dictionary)
M=1000
D=500
C=100
L=50
X=10
V=5 (W=VV=10)
I=1
So führt die lateinische Inschrift im Deckengemälde des Chors der Franziskanerkirche in Schwäbisch Gmünd
Mater DeI sIne Labe ConCepta
("Mutter Gottes, ohne Sünde empfangen")
auf die Jahreszahl MDCCLII=1752.
Chronogramme gibt es seit dem späten Mittelalter, doch waren sie vor allem im Barock als geistvolles Spiel lateinkundiger Gebildeter beliebt.
In einer Kartusche am Chorbogen der Augustinuskirche:
Magne pater DepreCare pro nobIs aC singVLIs
("Großer Vater, bitte für uns und für jeden einzelnen") - 1758
Inschrift am Portal des "Kapitelshauses" auf dem Münsterplatz:
DoMVI CapitVLI proteCtIo
("Schutz für das Kapitelshaus") - 1764
Über dem Portal des Benefiziathauses auf dem Salvator erinnert ein Chronogramm an die Stifter einer Kaplanei:
probI ConIVges georgIVs DebLer et theresIa fVnDatores et ConDItores
("Die rechtschaffenen Georg und Theresia Debler sind Stifter und Gründer") - 1770
Auf dem Sockel des "Wildangerkreuzes" (bei der ehemaligen Firma Nittinger in der Nähe der Bahnhofunterführung):
MortVa penDet CrVCe saLVs atqVe VIta
("Tot hängt am Kreuz das Heil und das Leben") - 1776
Darüberhinaus sind in handschriftlichen Gmünder Quellen zahlreiche weitere Chronogramme belegt. Besonders ergiebig sind die Taufbücher der Münsterpfarrei, die von 1740 bis 1802 über 200 lateinische Chronogramme enthalten. Die an der Pfarrkirche (seit 1762 Kollegiatstiftskirche) wirkenden Geistlichen haben das Chronogramme-Drechseln als eine Art "Hobby" betrieben.
Sehr selten sind deutschsprachige Chronogramme. Die Grabinschrift der 1788 verstorbenen Maria Debler auf dem Johanniskirchenfriedhof lautete:
ChrIste IesV! gIeb Ihr VnD gIeb aLLen hIer rVhen
Den seeLen DIe eVVIge rVhe
Hochzeitswidmungsblatt von Pater Felix 1784
für Dominikus Debler (den
Chronisten) und seine erste Frau Anna Maria
(Städtisches Museum Schwäbisch Gmünd)
Literatur: Klaus Graf, Ein barockes Wort-Zahl-Spiel. Chronogramme in Schwäbisch Gmünd, in: Barock in Schwäbisch Gmünd. Aufsätze zur Geschichte einer Reichsstadt im 18. Jahrhundert, Schwäbisch Gmünd 1981, S. 125-133
Leider sind die Chronogramm-Seiten im WWW sehr kurzlebig. Die meisten Chronogramme findet man auf den Seiten von Schulen, die im Rahmen des Lateinunterrichtes kleine Sammlungen lateinischer Inschriften angelegt haben.
Der erste Klick sollte nach Lüdinghausen, zum Projekt "Latein auf Stein" des Gymnasiums Canisianum führen. Die interessante Seite "Aus der Werkstatt eines Chrono(gramm)isten" unterrichtet auch über die Geschichte des Chronogramms.
Sehr viele Chronogramme aus Luxemburg hat das Luxemburger Schulprojekt "Latein auf Stein" gesammelt (Stadt Luxemburg bietet zahlreiche Beispiele bis zur Gegenwart).
Chronogramme in Warendorf (Gymnasium Laurentianum)