Ritterromantik?

Renaissance und Kontinuität des Rittertums im Spiegel des literarischen Lebens im 15. Jahrhundert

© Klaus Graf 1999


Als Hintergrund der Übersetzungen Elisabeths von Nassau-Saarbrücken wird in der Forschungsliteratur unseres Jahrhunderts wiederholt eine kulturelle Bewegung namhaft gemacht, die man mit den Begriffen "Ritterrenaissance" oder "Ritterromantik" belegt. So spricht beispielsweise Wolfgang Haubrichs von der "aufkommenden Ritterrenaissance Frankreichs und Burgunds [...], wo man Motive aus 'Perceval' in prunkvolle, als Palastschmuck gedachte Teppiche webte" [Anm. 1]. Einen Versuch, die Werke Elisabeths in einen größeren europäischen Zusammenhang einzuordnen, hat Josef Strelka in seiner ungedruckt gebliebenen Wiener Dissertation von 1950 unternommen: "Feudalromantische Strömungen in der Renaissancedichtung und ihre Entwicklung" [Anm. 2].

Bei näherer Betrachtung stellt man fest, daß in der deutschsprachigen Forschung ein sehr weiter und ein sehr enger Begriff der "Ritterrenaissance" mehr oder minder unverbunden koexistieren. Während etwa Strelka alle Dichtungen mit Ritter-Thematik ausnahmslos ritterromantisch nennt, haben sich die unmittelbar einschlägigen jüngeren Arbeiten auf eine kleine Gruppe von Texten konzentriert, und so hat denn auch Bernd Bastert in seiner 1993 erschienenen Dissertation in einem Forschungsüberblick zur Ritterrenaissance lediglich die Sekundärliteratur zu dem bayerischen Literaten Ulrich Fuetrer Revue passieren lassen [Anm. 3]. Neben Fuetrer hat Christelrose Rischer in einer 1973 veröffentlichten Monographie, in deren Titel das Stichwort "Ritterrenaissance" sofort die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht, den bayerischen Adeligen Jakob Püterich von Reichertshausen mit seinem 1462 datierten "Ehrenbrief" ergänzend herangezogen [Anm. 4]. Nachdem bereits 1963 Heinz Nicolai in einem Aufsatz die "Mörin" des schwäbischen Ritters Hermann von Sachsenheim mit Püterich in Verbindung gebracht hatte [Anm. 5] und Kaiser Maximilian I., breiteren Kreisen immer noch mit dem Schulbuch-Etikett "der letzte Ritter" geläufig, mit seinem 1982 von Jan-Dirk Müller grundlegend behandelten Gedechtnus-Projekt [Anm. 6] seit langem das Interesse der Germanistik genießt, wundert es nicht, wenn Peter Strohschneider 1986 in einem Buch mit dem programmatischen Titel "Ritterromantische Versepik im ausgehenden Mittelalter" Interpretationen zu drei Texten vereint hat: zur "Mörin" Sachsenheims, zum "Persibein" Fuetrers und zum "Teuerdank" Maximilians [Anm. 7]. Der engere Begriff Ritterrenaissance der jüngeren deutschen Altgermanistik läßt sich also einigermaßen genau mit vier Autorennamen umschreiben: Fuetrer, Püterich, Sachsenheim und Maximilian.

Versucht man sich dagegen dem umfassenderen Begriff zu nähern, gilt es forschungsgeschichtlich ein wenig weiter auszuholen. Bereits 1911 erschien von dem dänischen Gelehrten Valdemar Vedel in deutscher Übersetzung ein Bändchen "Ritterromantik", zweiter Teil eines Werks über "Mittelalterliche Kulturideale" [Anm. 8]. Thema ist freilich nicht das Spätmittelalter, sondern die als "romantisch" eingeschätzte ritterliche Kultur des 12. und 13. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland. Beherrschend aber ist der Einfluß des niederländischen Kulturhistorikers Johan Huizinga geworden, der in seinem 1924 erstmals erschienenen "Herbst des Mittelalters" ein ungemein beeindruckendes Bild von der ritterlich-höfischen Kultur des späten Mittelalters in Frankreich und Burgund entworfen hat. Es geht ihm um die "Verschönung des aristokratischen Lebens mit den Formen des Ideals, das Kunstlicht der ritterlichen Romantik über dem Leben" [Anm. 9]. Huizinga hebt auf die extreme Spannung zwischen Realität und Ideal ab: "Die Wirklichkeit ist heftig, hart und grausam; man führt sie auf den schönen Traum des Ritterideals zurück und errichtet darauf das Lebensspiel. Man spielt in der Maske des Lancelot, es ist ein ungeheurer Selbstbetrug, dessen schmerzende Unwahrheit nur dadurch ertragen werden kann, daß leiser Spott die eigene Lüge verleugnet" [Anm. 10].

Huizingas Romantik-Begriff ist der Geistesgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts entlehnt. Er projiziert die Sehnsucht der Romantiker nach einer verehrungswürdigen Vergangenheit ins späte Mittelalter zurück, das Huizinga mit großem erzählerischen Geschick als Epoche des Verfalls und der Dekadenz schildert. Wie sehr Huizinga das Spätmittelalter abwertet, mag ein weiteres Zitat zeigen: "Der ritterliche Gedanke des fünfzehnten Jahrhunderts schwelgt in einer Romantik, die durch und durch hohl und verschlissen ist" [Anm. 11].

Unverkennbar inspiriert haben Huizingas Ausführungen den Soziologen Norbert Elias, der in seinem Buch über die "Höfische Gesellschaft" auch auf die sogenannte "höfische Romantik" zu sprechen kommt. Für diesen von Germanisten mitunter etwas über Gebühr hochgeschätzten Autor zeigt die Ritterromantik "das stolze mittelalterliche Kriegertum im Abendrot der Sehnsucht nach dem freieren selbstherrlicheren Ritterleben, das im Zuge der wachsenden Zentralisierung der Staaten und damit auch der Heeresorganisation schon im Untergehen ist" [Anm. 12]. Elias vermißt eine "Zentraltheorie" romantischer Strömungen und zaubert sie flugs aus dem Hut: "Konstitutiv für den romantischen Charakter menschlicher Haltungen [...] ist gewöhnlich das Dilemma gehobener Schichten, die zwar an ihren Ketten rütteln, die sie aber nicht abschütteln können, ohne zugleich die gesamte gesellschaftliche Ordnung, die ihnen ihre gehobene, ihre privilegierte Position sichert [...], aufs Spiel zu setzen" [Anm. 13].

Nur wenn man das Rittertum im 15. Jahrhundert als eine zutiefst anachronistische und überlebte Erscheinung betrachtet, ist die Gleichsetzung aller literarischen Texte, die man mit dem Ritterideal in Verbindung bringen kann, und überhaupt der ritterlichen Kultur und ihrer Rituale mit "Ritterromantik" plausibel. Das Ritterideal wird nicht als gegenwärtiges, sondern als vergangenes, unzeitgemäß gewordenes Wertesystem angesehen, auf das man mit nostalgischer Sehnsucht zurückblickt. Insofern wäre es nur folgerichtig, alle Adelsliteratur des 15. Jahrhunderts - also Literatur von Adeligen oder für Adelige geschrieben - der "Ritterromantik" oder "Ritterrenaissance" zuzuweisen. Damit aber würde der Begriff wertlos.

Das Handbuch-Klischee von der spätmittelalterlichen "Adelskrise" (einschließlich des sogenannten "Raubrittertums") ist durch die Studien der neueren historischen Adelsforschung eindeutig widerlegt worden. Gewiß hat es den verarmten Niederadeligen gegeben, der seinen Lebensunterhalt mit Fehden bestritt, doch darf dieser keinesfalls als der typische Repräsentant seines Standes gelten [Anm. 14].

Ebensowenig wie das Anachronismus-Verdikt ist Huizingas Eskapismus-These hilfreich, die in der Ritterromantik vornehmlich die Flucht aus der grausamen Realität erkennen will. Es handelt sich um einen Einwand von irritierender Beliebigkeit [Anm. 15], der in letzter Instanz gegen jegliche Art sowohl fiktionaler Literatur als auch zeremonieller Formen erhoben werden kann. Literatur und Ritual kompensieren nicht nur, und mittelalterliche Literatur ist, das hat nicht zuletzt Ursula Peters klargemacht, nicht angemessen zu verstehen, wenn man in ihr hauptsächlich ein Krisenphänomen erkennen will.

Ist es nicht irreführend, von einer Renaissance oder einer Wiederentdeckung des Rittertums im 15. Jahrhundert auszugehen? Wenn man etwa an die von Werner Paravicini in seiner Monographie über die Preußenreisen ans Licht gebrachten Zeugnisse für die ritterlich-höfische Kultur des 14. Jahrhunderts denkt [Anm. 16], kann man keinesfalls von einem Darniederliegen des Rittertums sprechen. Und wenn man auf "nostalgisch" anmutende Äußerungen [Anm. 17] achtet, so lassen sich bereits im 13. Jahrhundert Klagen über den Verfall des Rittertums vernehmen. Der Topos von der guten alten Zeit (laudatio temporis acti) [Anm. 18] hat bekanntermaßen eine ehrwürdige Tradition. "Romancing the Past" überschreibt Gabrielle M. Spiegel ihre Monographie über die volkssprachliche Prosahistoriographie im Frankreich des 13. Jahrhunderts [Anm. 19].

Man mag es bedenklich finden, wenn Elisabeth Lienert in einer Arbeit über den "Trojanerkrieg" Konrads von Würzburg, also über ein Werk aus dem späten 13. Jahrhundert, die "Schilderung höfischer Lebensformen [...] wesentlich als Form retrospektiver, gleichsam 'ritterromantischer' Kunstübung [...] begreifen" will [Anm. 20]. Man mag darauf insistieren, daß bei der Beschäftigung mit historisierenden Phänomenen eine Historisierung des Forschungsgegenstands selbst, also eine Berücksichtigung des historischen Wandels, mehr als angebracht ist. Aber im Grunde sind die in Germanistik wie Kunstwissenschaft [Anm. 21] gelegentlich anzutreffenden beiläufigen Etikettierungen von Texten oder Bildern als "ritterromantisch" oder "archaisierend" ebenso unschädlich wie unerheblich.

Spricht somit nicht alles für die Position Basterts, der nicht die angeblich verfehlte Gegenwartsnähe Fuetrers in den Mittelpunkt stellt, sondern die literarische Kontinuität? Er faßt seinen Standpunkt so zusammen: "Nicht als rückwärtsgewandte Utopie einer nostalgisch die große Vergangenheit beschwörenden 'Ritterrenaissance', aber ebenso wenig als Indikator einer sich zum absolutistischen Staatswesen neuzeitlicher Prägung transformierenden Gesellschaftsformation sollte Fuetrers BdA [Buch der Abenteuer] [...] vorrangig verstanden werden, sondern in erster Linie als Beispiel für die auch im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert noch ungebrochene Kontinuität eines jahrhundertealten literarisch-kulturellen Wissens" [Anm. 22]. Kann auf das fragwürdige Etikett "Ritterromantik" oder "Ritterrenaissance" nicht ganz verzichtet werden?

Das Etikett ist in der Tat entbehrlich - keinesfalls jedoch die ihm zugrundeliegende Fragestellung oder, vorsichtiger formuliert, die noch am ehesten präzisierbare Fragestellung! Gerade Fuetrer bietet mit seiner fast perfekten Imitation des klassischen Mittelhochdeutschen, also einer längst vergangenen Sprachstufe, einen irritierenden Befund, auf dessen Deutung sich Bastert kaum eingelassen hat [Anm. 23]. Ungeübte Leser des 15. Jahrhunderts dürften an dieser Art "Arkansprache" wohl gescheitert sein. Einen "bewußten Archaismus" Fuetrers kann die Forschung auch an anderen altertümlichen Details festmachen, etwa dem Wiederauftreten des sogenannten "buhurt", einer ritterlichen Gruppenbegegnung [Anm. 24]. Püterich, der sich explizit als Liebhaber der alten und Verächter der neuen Bücher ausgibt, hat sich ebenfalls formal an Altem orientiert, indem er seinen "Ehrenbrief" in den damals bereits anachronistischen Titurel-Strophen verfaßte. Bezeichnenderweise zitiert Püterich aus dem 'Jüngeren Titurel' - entgegen üblichem mittelalterlichem Usus - nicht frei, sondern mit relativ genauer Wiedergabe des Wortlauts [Anm. 25]. Daß er zu den Grabstätten Wolframs und Johannes von Montevilla gleichsam pilgerte, antizipiert die Praxis der reisenden Historiker der Maximilianszeit, die nicht ritterliche Abenteuer suchten, sondern in Kirchen und Klöstern auf der Jagd nach Altertümern waren.

Was also hat es mit den archaisierenden, historisierenden, romantischen oder retrospektiven Phänomenen des 15. Jahrhunderts auf sich [Anm. 26]? Gemeinsam ist ihnen ein Rückgriff auf eine entfernte Vergangenheit, von der Gegenwart durch historische Distanz getrennt: ein "revival" also, kein bloßes Weiterleben einer nicht mehr zeitgemäßen Erscheinung ("survival"). Kurt Nyholm und Wolfgang Harms haben Fuetrer in die Nähe des Frühhumanismus gerückt [Anm. 27]. Ihr Hinweis auf das humanistische ad-fontes-Prinzip ist in der Tat nicht ganz verfehlt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts setzte man sich in reformierten Benediktinerklöstern intensiv mit der historischen und literarischen Überlieferung längst vergangener Zeiten auseinander. Für diese Bestrebungen, von der bisherigen Forschung mit dem irreführenden Etikett "Klosterhumanismus" versehen, habe ich den Begriff "monastischer Historismus" zur Diskussion gestellt [Anm. 28]. So gut wie unbekannt ist beispielsweise, daß man im Kloster Melk, Ausgangspunkt der bekannten Melker Reform, im 15. Jahrhundert textkritische Ausgaben der Benediktsregel erstellt hat [Anm. 29].

Sinnvoll erscheint mir aber auch eine Blick über die Fachgrenzen hinweg in die Kunstgeschichte [Anm. 30]. Gegenstand der kunsthistorischen Forschung zu retrospektiven Tendenzen sind historisierende Denkmäler und solche Kunstwerke, deren Erscheinungsbild ältere, einer früheren Stilstufe angehörige Formen erkennen läßt. Am Ausgang des Mittelalters wurden in manchen Codices romanische Minuskeln nachgeahmt, in Inschriften adaptierte man alte Formen, Baumeister verwendeten hochmittelalterliche Elemente in ihren - sakralen wie profanen - Werken, und auf Gemälden des 15. und 16. Jahrhunderts begegnen nicht selten romanische Architekturen. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer Romanik-Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert. Ungleich prominenter ist freilich die im 16. Jahrhundert einsetzende sogenannte 'Nachgotik', ein nicht zuletzt in gegenreformatorischen Kontexten beliebter historisierender Baustil, der an gotischen Formen festhielt, obwohl längst die Renaissance angesagt war. Bewußt knüpften Schreiber, Künstler oder Auftraggeber in diesen Fällen an alte Traditionen an, indem sie sich 'anachronistischer' Stilmittel bedienten. Ungewöhnlich sind beispielsweise die Bilder der Berner 'Parzival'-Handschrift von 1467, die eine ältere Vorlage voraussetzen und - anders als die zeittypischen illustrierten Parzivalhandschriften der Lauber-Werkstatt - altertümliche Details beibehalten [Anm. 31].

Für die adelige Kultur ist ein Hinweis auf historisierende Elemente im adeligen Burgen- und Schloßbau wichtig. Es gab sogar, glaubt man einem einschlägigen Aufsatztitel, so etwas wie "Burgenromantik im 16. Jahrhundert" [Anm. 32]. Das augenfälligste Beispiel ist das 1577 datierte Fuggerschloß in Niederalfingen bei Aalen, das eine staufische Ritterburg mit Buckelquadern und Bergfried imitiert [Anm. 33]. Mittels architektonischer Formen sollte eine adelige Tradition begründet werden. Neben der Nachahmung alter Formen steht die pietätvolle Bewahrung des Alten, gleichsam eine 'Denkmalpflege'. Aristokratische Tradition im Medium der Architektur erweist sich somit als Verschränkung von survival und revival. Die angestrebte Kontinuität ist das Produkt von Denkmalpflege und Retrospektive, also von bewußtem Bewahren und gezieltem Zurückgreifen.

Die Diskussion über die Ritterrenaissance am Beispiel des klassischen Kanons der vier Autoren Fuetrer, Püterich, Sachsenheim und Maximilian ist wohl ein wenig festgefahren. Es geht nun aber nicht darum, den engen durch den weiten - meines Erachtens unbrauchbaren - Begriff der Ritterrenaissance zu ersetzen, sondern um eine präzisierte Fragestellung, mit der auch andere Gattungen, Texte und Überlieferungszeugnisse zu konfrontieren wären, nämlich: Wie geht man im 15. Jahrhundert mit 'alten' Texten und Büchern und der aus ihrem Alter resultierenden 'historischen Distanz' um? Einen ersten Versuch, sich dieser Problematik zu stellen, lieferte Peter Strohschneider in seinem Beitrag zu dem 1988 erschienenen LiLi-Heft zum Thema Ritterrenaissance. Dieser Aufsatz mit dem Untertitel "Von der Aktualität des Vergangenen in höfischer Versepik des ausgehenden Mittelalters" hat zwar einerseits das den Texten ablesbare sogenannte Distanzbewußtsein ausdrücklich wahrgenommen und thematisiert, doch bleibt er andererseits Huizingas verhängnisvoller Eskapismus-These verhaftet, wenn er formuliert, Maximilians Teuerdank habe die "Kluft zwischen tradiertem Ritterideal und den Bedingungen banaler Alltagswelt nach 1500 konsequent ignoriert" [Anm. 34].

In den Texten der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken stellt die Distanz der dargestellten Epenwelt zur eigenen Gegenwart kein Problem dar, das dem Leser signalisiert werden mußte. Die Autorin gab ihre Vorlagen getreu und ohne Distanzierung wieder. Was Wolfgang Liepe etwas umständlich die "mangelnde Beschlagenheit der Übersetzerin auf dem über ihre Vorlagen hinausreichenden Gebiet der Personen - und Namentradition der chanson de geste" genannt hat [Anm. 35], wird von ihr selbst nicht reflektiert. Als dagegen 1514 die "Histori von hertzog Herpin" in Straßburg zum Druck gebracht wurde, artikulierte die dem Druck beigegebene Vorrede den Zeitenabstand zur erzählten Epoche explizit: Das Geschehen habe sich "vor langer zeit" zugetragen, damalige Sitten und Gewohnheiten seien "ietzundt der zeit seltsam zu+oho+eren", man habe mit Aberglauben und schwarzer Kunst viele Dinge zuwege gebracht, "die seidher abgangen seind" [Anm. 36]. Das Alter des Textes ist nunmehr zur Alterität, es ist problematisch geworden. Die geschilderten Zustände werden als "seltsam" und fremdartig empfunden. War diese Vorrede nun eher eine entschuldigende Warnung oder eine Werbung, die sich auf eine verbreitete Faszination an Altertümlichem und an Antiquitäten berufen konnte? Ausführlicher wird dann 1537 die Vorrede des "Hug Schapler"-Drucks den Gegensatz zwischen der fremd gewordenen Epenwelt und der eigenen Gegenwart und zwischen dem alten, schmucklosen und dem modernen Sprachstil ansprechen [Anm. 37].

Die ausdrückliche Thematisierung der historischen Distanz ist im Bereich der Prosahistorien-Drucke keinesfalls singulär [Anm. 38]. Es fehlt allerdings, soweit ich sehe, an einer Darstellung, die solche und ähnliche literarische Erscheinungen vergleichend in den Blick nimmt und mit anderen retrospektiven Phänomenen in Beziehung setzt [Anm. 39]. Ich muß mich auf einige Andeutungen beschränken. Neben dem schon genannten Bereich der Textkritik, der Suche nach dem authentischen alten Text, wäre etwa das Herausgebertum zu nennen, das sich als vermittelnde Instanz zwischen dem ursprünglichen Autor und dem Leser etabliert [Anm. 40]. Unter diesem Gesichtspunkt noch nicht untersucht wurde beispielsweise die handschriftliche "Klassikerausgabe", die Augustin von Hammerstetten am Ende des 15. Jahrhunderts als Neujahrsgabe dem sächsischen Kurfürsten und seinem Bruder überreichte. Der Gothaer Codex Chart. B 271 enthält Texte des Teichners, Konrads von Würzburg und Suchenwirts. Die in Form eines älteren Handschriftenbestandteils eingefügten Werke Suchenwirts kommentiert Hammerstetten: "Ich hab die ding nit corrigirt von dem Peter Su+ochenwirdt, Lass beleiben in ihrem werdt" [Anm. 41]. Also ein programmatischer Verzicht auf Modernisierung. Dergleichen gehört, wie ich meine, zur Vorschichte des im Humanismus entstehenden Interesses an älterer deutscher Literatur und Sprache, etwa am Althochdeutschen [Anm. 42].

Einzuordnen sind diese Bestrebungen in eine Bewegung, die im 16. Jahrhundert in den Antiquarianismus, die intensive humanistische Beschäftigung mit Altertümern [Anm. 43], münden wird. Eine Geschichte der Altertumsforschung im Mittelalter ist freilich noch nicht geschrieben. Verantwortlich dafür ist sicher auch eine holzschnittartige Betrachtungsweise, die dem Mittelalter Sinn für Anachronismen und historische Veränderungen gänzlich absprechen will [Anm. 44]. Der eingängige Kontrast zwischen distanzloses Mittelalter und distanzbewußter Neuzeit ist freilich ein Pauschalurteil, das nur davon abhält, genauer hinzusehen. Um nur einen einzigen Hinweis zu geben: Die Bedeutungsgeschichte des Wortes 'altfränkisch' demonstriert, daß bereits im 14. und 15. Jahrhundert sehr wohl ein allgemeines Bedürfnis bestanden hat, zwischen Veraltetem und Modernem zu differenzieren.

Mit der Entstehung der Altertumsforschung hängt das Aufkommen von Sammlungen eng zusammen [Anm. 45]. In unserem Zusammenhang sind dabei die bibliophilen Neigungen der Aristokratie im 15. Jahrhundert am wichtigsten [Anm. 46]. Wie groß der Einfluß der französisch-burgundischen Buchkultur mit ihren Prachthandschriften auf die deutsche Adelswelt gewesen ist, läßt sich derzeit kaum abschließend abschätzen. Überhaupt ist die Frage nach den spätmittelalterlichen deutschen Adelsbibliotheken aufgrund großer Überlieferungsverluste sehr schwer zu beantworten. Karl-Heinz Spiess hat in einem Aufsatz "Zum Gebrauch von Literatur im spätmittelalterlichen Adel" zurecht vor übertriebenen Vorstellungen gewarnt [Anm. 47], doch stellt sich die Frage, ob seine Position nicht zu sehr in das andere Extrem verfällt. Bei den drei illustrierten Prachthandschriften in Hamburg und Wolfenbüttel, die Elisabeths Sohn Johann III. hat anfertigen lassen [Anm. 48], ist davon auszugehen, daß sie als repräsentatives Statussymbol, vielleicht auch als Familien-Andenken an die literarische Leistung Elisabeths, gegolten haben. Zugleich findet sich aber auch eine Handschrift von "Loher und Maller" unter den Büchern der ab 1470 von Junggraf Kuno von Manderscheid ausgebauten Blankenheimer Bibliothek, die auf ältere "Versepik" geradezu spezialisiert war [Anm. 49]. Kunos literarische Sammlungstätigkeit dürfte angeregt worden sein von dem Literaturliebhaber Wirich von Daun zu Oberstein (gestorben 1501), der gute Kontakte zu den Höfen des Pfalzgrafen Friedrich des Siegreichen in Heidelberg und der bekannten Literaturmäzenin Erzherzogin Mechthild in Rottenburg besaß [Anm. 50]. Von den fürstlichen und hochadeligen Höfen, in denen Literatur und kostbare Handschriften hauptsächlich ein exklusives Standeskennzeichen sein mochten, führten also Verbindungen zu den ganz wenigen bibliophilen Adeligen, die bereits vor der breiteren Rezeption des Humanismus im Adel hochgebildete Literaturliebhaber und Büchersammler waren. Außer Püterich und dem Manderscheider könnte man Johann Werner von Zimmern nennen, für den der Schreiber Gabriel Sattler mittelhochdeutsche Texte abschreiben mußte, wobei, wie Johan A. Asher in einem Aufsatz mit dem hübschen Titel "Der übele Gerhart" dargelegt hat, die auffälligen Textentstellungen anscheinend auf eine "gleichgültige und leicht spöttische Einstellung zu den Texten, die er kopierte" [Anm. 51] zurückgehen. Sattler konnte, wenn Ashers Interpretation zutrifft, die Begeisterung seines Auftraggebers für dieses alte Zeug offensichtlich nicht nachvollziehen.

In solchen Kreisen nahm man nicht nur keinen Anstoß an der historischen Distanz zur Welt der alten Texte - man liebte sie gerade wegen ihrer Altertümlichkeit und Dunkelheit, über die man sich genußvoll den Kopf zerbrechen konnte. Im repräsentativ ausgestatteten Straßburger Parzival-Druck von 1477 wurde der mittelhochdeutsche Text nicht modernisiert. Er bewahre, meint Thomas Cramer, "die Würde des Alters auch auf Kosten der Verständlichkeit [...]. Mehr noch: die Altertümlichkeit der Sprache unterstreicht den Charakter als Kultbuch, und die schwere Zugänglichkeit erhöht die quasi-mythologische Aura, die dem Auserwählten vorbehalten ist" [Anm. 52]. Die alten Epen waren etwas für Kenner geworden. "Aber von der leüt wegen die so+ellicher gereymter bu+echer nicht genad haben, auch etlich die die kunst der reymen nit aigentlich versteen kündent hab jch Vngenannt dise Hystorj in die form gebracht", so begründet der Prosauflöser des Tristanromans, erschienen 1484 in Augsburg, sein Werk [Anm. 53].

Die neuere Forschung neigt, wie ich meine, etwas zu sehr dazu, die Instrumentalisierung von Literatur und historischen Traditionen zu machtpolitischen Zwecken durch die Fürsten und den Adel im 15. und 16. Jahrhundert hervorzuheben. Es bekommt Literatur selten gut, wenn sie an der kurzen Leine der Legitimation gehalten wird. Kaiser Maximilian I., der beispielsweise mit seinem "Ambraser Heldenbuch" eine erlesene Sammlung alter volkssprachlicher Texte [Anm. 54] zusammenstellen ließ, mutierte auf diese Weise in der jüngsten Forschung vom rückwärtsgewandten Sonderling auf dem Thron zum kraftvollen Modernisierer [Anm. 55].

Gewiß war das Altertümersammeln in fürstlichen Kreisen im 16. Jahrhundert eine Art "Mode", doch darf man deshalb die Ernsthaftigkeit des Bemühens einfach in Frage stellen? Für das 15. Jahrhundert erscheint es mir sinnvoll, unvoreingenommen und ohne platten Verweis auf die vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten des sogenannten Territorialisierungsprozesses auf die verstreuten Zeugnisse der zunehmenden Faszination und des Ergriffenseins von alten Gegenständen, Büchern und Texten zu achten.

Auf dem Feld der ritterlichen Kultur ist das Wappenbuch des Konstanzer Patriziers Konrad Grünenberg aus den 1480er Jahren ein besonders lehrreiches Beispiel. Es ist ein noch kaum gewürdigtes Dokument ritterlicher Erinnerungskultur, das, wie ich meine, sehr wohl mit den Bestrebungen Fuetrers und Püterichs am Münchner Hof verglichen werden kann. Die 1483 datierte Vorrede weist dem Terminus "gedechtnus" eine Schlüsselrolle zu. Um die Verdienste des Adels, die sich vor allem in seinen kirchlichen Stiftungen ausdrücken, im lichten Schein der "gedechtnus" zu behalten, so Grünenberg, habe er aus alten Turnierblättern, Büchern und Kirchengemälden die Wappen des lebenden wie des ausgestorbenen Adels aufgezeichnet. Grünenbergs Wappenbuch kann als historisch-antiquarisches Werk über adelige Stiftungen aufgefaßt werden, das die tugendreichen adeligen Werke vor dem Vergessen bewahren möchte. Es geht ihm also - unter Beschränkung auf das für das adelige Selbstverständnis freilich zentrale Wappenwesen - um ritterliche Altertümer. Besonders bemerkenswert sind seine Kopien von zehn Minnesängerwappen aus der wohl in Konstanz etwa zur selben Zeit wie die Manesse-Handschrift entstandenen Weingartener Liederhandschrift, die er einem alten Buch entommen haben will, dessen Alter er auf 400 Jahre schätzt [Anm. 56]. Daneben war Grünenberg - darin Püterich vergleichbar - aber auch an noch vorhandenen gegenständlichen Lebenszeugnissen der Dichter interessiert: etwa an Neidharts Grab in Wien [Anm. 57].

Es fällt nicht schwer, die Verbindungslinien von Grünenbergs Wappenbuch zum Turnierwesen seiner Zeit auszuziehen. 1479 war es ja zur Wiederbelebung des Turnierwesens in Gestalt der bis 1487 abgehaltenen ritterschaftlichen Turniere der vier Lande gekommen [Anm. 58]. Etwa zur gleichen Zeit entstand eine historiographische Fiktion, eine Chronik über die angebliche Entstehung des Turnierwesens im 10. Jahrhundert. Sie ist erstmals 1494 in der Handschrift eines Persevanten (Unterherolds) Jörg Rugen greifbar [Anm. 59]. Der hier beobachtbare Konnex zwischen ritterlichem Ritual und historischer Traditionsbildung verweist auf die zunehmende Bedeutung historischer Argumente und historischer Forschungen für die Adelswelt des 15. Jahrhunderts [Anm. 60].

Johannes Nuhn, Geschichtsschreiber der Landgrafen von Hessen, verwendete im frühen 16. Jahrhundert Elisabeths "Huge Scheppel" als Quelle für die Geschichte der Karolingerdynastie, an die er die Landgrafen von Hessen ansippen wollte [Anm. 61]. Das Thema des genealogischen und nationalen "Herkommens" [Anm. 62] aber wird bereits mit Elisabeths Übertragungen selbst angeschlagen, wie Wolfgang Haubrichs dargelegt hat. Übersetzt wird, so Haubrichs, "ein Zyklus, der das französische Königshaus der Kapetinger aus dem Geschlechte Karls des Großen ableitete und legitimierte" [Anm. 63]. Auch wenn ich ihm nicht folgen möchte, wenn er den Epenzyklus als "Akt der Ansippung an den französischen Spitzenahn" [Anm. 64] vergleichbar mit der Herleitung des Hauses Lusignan von der Fee Melusine auffassen möchte, so erscheint mir neben der nicht zu gering zu veranschlagenden stofflichen Faszination der Vorlagen der Charakter der chanson de geste als geglaubte nationale Geschichtsüberlieferung Frankreichs entscheidend. Durch den Bezug auf Karl den Großen war das in den von Elisabeth übersetzten Werken enthaltene dynastische und nationale Herkommen mit dem genealogischen Herkommen der zahlreichen sich ebenfalls von Karl dem Großen ableitenden deutschen Fürsten- und Hochadelsfamilien gleichsam kompatibel. Zugleich stellte Karl der Große die Brücke dar zu deutschsprachigen volkssprachigen Epik und Literatur, und er vermochte als identitätsstiftende Gründerfigur [Anm. 65] die nationalen Herkommen Deutschlands und Frankreichs zusammenzuführen.

Die Indienststellung der epischen Überlieferung für die nationale Traditionsbildung läßt sich in Burgund gut beobachten [Anm. 66]. Bekanntestes Beispiel ist der 1447 für Herzog Philipp den Guten fertiggestellte "Girart de Roussillon", das sogenannte burgundische Nationalepos, erhalten in einer Handschrift, die als eines der Meisterwerke flämischer Buchmalerei gilt [Anm. 67]. Ein vergleichbares Beispiel historischen Rückbesinnung am burgundischen Hof ist die nach 1455 entstandene Prachthandschrift der "Chroniques de Jérusalem" [Anm. 68], eine Geschichte der Kreuzzüge, die mit den Kreuzzugsplänen des Burgunderherzogs [Anm. 69] in Verbindung steht.

Damit aber sind wir zu dem anfänglichen Hinweis auf die Bildteppiche mit Perceval-Motiven, die als Beleg für die französische und burgundische Ritterrenaissance angeführt wurden [Anm. 70], zurückgekehrt. Löst man sich von dem Begriff, der, wie ich zu zeigen versucht habe, in seiner weiten Fassung in die Irre führt, so bleibt als wichtige Einsicht die Beobachtung, daß historisch-literarische Traditionsbildung, die Suche nach dem "Herkommen", im Laufe des 15. Jahrhunderts im Rahmen der ritterlich-höfischen Kultur immer mehr an Bedeutung gewann. Elisabeth steht, wenn man ihre Texte als "Herkommen" verstehen will, allerdings eher am Anfang dieser Entwicklung.

Verstärkt hat sich aber auch die Wechselwirkung zwischen der Literatur und der politisch-kulturellen Praxis. Allerdings war man in Deutschland im 15. Jahrhundert doch recht weit entfernt von einer solchen Durchdringung der aristokratischen Kultur mit fiktionaler Literatur, wie sie in Frankreich und Burgund üblich war [Anm. 71]. Um nur ein Beispiel zu nennen: In der Festkultur der deutschen Höfe sind historisierende Elemente, etwa das Auftreten literarischer Gestalten oder historisch kostümierter Teilnehmer, vor der Zeit Maximilians, wenn ich recht sehe, nicht anzutreffen.

Es ist hoffentlich deutlich geworden, daß Kontinuität und Renaissance des Rittertums im 15. Jahrhunderts, survival und revival, in ihrer Verschränkung gesehen werden müssen. Weder war die damalige ritterlich-höfische Welt eine wirklichkeitsfremde, nostalgische Veranstaltung noch darf darauf verzichtet werden, absichtsvolle Rückgriffe in die eigene Vergangenheit - ob man sie nun Ritterrenaissance, retrospektive Tendenzen oder historisch-literarische Traditionsbildung nennt - als wichtigen Bestandteil der aristokratischen Kultur jener Zeit hervorzuheben. Diese Rückgriffe erfolgten bestimmt nicht interesselos, doch wird man dem Eigengewicht der Tradition und dem Fasziniertsein von den alten Texten nicht gerecht, wenn man sie allein unter der verkürzenden Perspektive adeliger Legitimationsbedürfnisse abhandelt.


Beitrag zum Kolloquium "Zwischen Deutschland und Frankreich: Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken im historischen und literarischen Kontext" (Saarbrücken 8.-11.10.1997)

Anmerkungen

[1]Wolfgang Haubrichs, Die Kraft von franckrichs wappen. Königsgeschichte und genealogische Motivik in den Prosahistorien der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, in: Der Deutschunterricht 43 (1991) H. 4, S. 4-19, hier S. 18. Zur Sache vgl. unten Anm. 70. [zurück]

[2]Josef Strelka, Feudalromantische Strömungen in der Renaissancedichtung und ihre Entwicklung, Diss. masch. Wien 1950, S. 124-126. [zurück]

[3]Bernd Bastert, Der Münchner Hof und Fuetrers 'Buch der Abenteuer'. Literarische Kontinuität im Spätmittelalter, Frankfurt a. M. u.a. 1993, S. 7-23. [zurück]

[4]Christelrose Rischer, Literarische Rezeption und kulturelles Selbstverständnis in der deutschen Literatur der "Ritterrenaissance" des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zu Ulrich Füetrers "Buch der Abenteuer" und dem "Ehrenbrief" des Jakob Püterich von Reichertshausen, Stuttgart u.a. 1973. [zurück]

[5]Heinz Nicolai, Romantisierende und parodistische Tendenz in der ritterlichen Dichtung des ausgehenden Mittelalters. Ein geschmacksgeschichtliches Problem. Zur Mörin des Hermann von Sachsenheim, in: Festgabe für Ulrich Pretzel zum 65. Geburtstag, hrsg. von Werner Simon/Wolfgang Bachofer/Wolfgang Dittmann, Berlin 1963, S. 260-266. Dagegen hatte kurz zuvor Dietrich Huschenbett, Hermann von Sachsenheim. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte des 15. Jahrhunderts, Berlin 1962, S. 92 Sachsenheim von Püterich abgesetzt und gefordert, man müsse vorsichtig mit dem Begriff "rückschauende Ritterromantik" umgehen. [zurück]

[6] Jan-Dirk Müller, Gedechtnus. Literatur und Hofgesellschaft um Maximilian I., München 1982. [zurück]

[7] Peter Strohschneider, Ritterromantische Versepik im ausgehenden Mittelalter. Studien zu einer funktionsgeschichtlichen Textinterpretation der "Mörin" Hermanns von Sachsenheim sowie zu Ulrich Fuetrers "Persibein" und Maximilians I. "Teuerdank", Frankfurt a. M./Bern/New York 1986. [zurück]

[8] Valdemar Vedel, Ritterromantik. Mittelalterliche Kulturideale II, Leipzig 1911. - Ein weiterer Traditionsstrang läßt sich zurückverfolgen, wenn man die kunsthistorische Forschung über die höfische Kunst Italiens und Frankreichs um die Jahrhundertwende in den Blick nimmt. Für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts spricht Werner Weisbach, Francesco Peselini und die Romantik der Renaissance, Berlin 1901, S. 12 von der französischen "Ritterromantik". Ebd., S. 105: Das Ritter- und Turnierwesen wurde "mit einem romantischen Schimmer umkleidet, während es doch kein unmittelbarer Ausdruck der Zeit mehr war". Vgl. auch Julius Schlosser, Die Werkstatt der Embriachi in Venedig, in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses 20 (1899), S. 220-282, hier S. 274: Ferrara als Hauptort der neuerblühten romantischen Ritterdichtung. [zurück]

[9] Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, hrsg. von Kurt Köster, 11. Aufl., Stuttgart 1975, S. 47. [zurück]

[10] Ebd., S. 103. [zurück]

[11] Ebd., S. 370. Zur Kritik aus der Sicht der neueren Burgund-Forschung vgl. Maurice Keen, Huizinga, Kilgour and the Decline of Chivalry, in: Medievalia et Humanistica 8 (1977), S. 1-20. [zurück]

[12] Norbert Elias, Die höfische Gesellschaft. Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie, Frankfurt a. M. 1983, S. 322 im Abschnitt: "Zur Soziogenese der aristokratischen Romantik im Zuge der Verhofung" (S. 320-393). [zurück]

[13] Ebd., S. 332. Zur Elias-Kritik vgl. jüngst Gerd Schwerhoff, Zivilisationsprozeß und Geschichtswissenschaft. Nobert Elias' Forschungsparadigma in historischer Sicht, in: Historische Zeitschrift 266 (1998), S. 561-605. [zurück]

[14] Es genügt ein Hinweis auf den Sammelband: "Raubritter" oder "Rechtschaffene vom Adel"? Aspekte von Politik, Friede und Recht im späten Mittelalter, hrsg. von Kurt Andermann, Sigmaringen 1997 und die dortige Einleitung des Herausgebers sowie auf Basterts ausführliche Darlegungen, denen ich mehr verpflichtet bin als meine Fußnoten zum Ausdruck bringen mögen: Bastert, Hof, S. 24-39 und Derselbe, 'Ritterrenaissance' oder Indikator des Frühabsolutismus? Zur Relevanz der Artus- und Gralepik an der Wende zur Neuzeit am Beispiel von Fuetrers Buch der Abenteuer, in: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft 9 (1996/97), S. 471-488. [zurück]

[15] Vgl. Ursula Peters, Mittelalterliche Literatur - ein Krisenphänomen? Überlegungen zu einem funktionsgeschichtlichen Deutungsmuster, in: Entzauberung der Welt. Deutsche Literatur 1200-1500, hrsg. von James F. Poag/Th. C. Fox, Tübingen 1989, S. 175-196, hier S. 183. [zurück]

[16] Werner Paravicini, Die Preußenreisen des europäischen Adels, Bd. 1-2, Sigmaringen 1989-1995. [zurück]

[17] Der Begriff Nostalgie ist nicht weniger problematisch als der Begriff Romantik. Trotzdem lesenswert: Frantisek Graus, Goldenes Zeitalter, Zeitschelte und Lob der guten alten Zeit. Zu nostalgischen Strömungen im Spätmittelalter, in: Idee, Gestalt, Geschichte. Festschrift Klaus von See. Studien zur europäischen Kulturtradition, hrsg. von Gerd Wolfgang Weber, Odense 1988, S. 187-222. Für die Renaissance gebraucht den Begriff z.B.: Jerome Friedman, The Most Ancient Testimony. Sixteenth-Century Christian-Hebraica in the Age of Renaissance Nostalgia, Athens 1983. Albrecht Classen hat mir bereits vor der Drucklegung zur Verfügung gestellt: Revitalisierung des Rittertums. Nostalgie als literarische Strategie in den Volksbüchern, in: Prospero 5 (1998), S. 63-88. [zurück]

[18] Vgl. nur Joachim Bumke, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, Bd. 1, München 1986, S. 26-29. Die ältere Arbeit von Martin Behrendt, Zeitklage und laudatio temporis acti in der mittelhochdeutschen Lyrik, Berlin 1935 ist nahezu unbrauchbar. - Zu beachten ist natürlich auch die innerliterarische Wahrnehmung von Gattungsgeschichte, etwa in jenem späten Minnesang, der sich mit der eigenen Gattung als einer "Gattung der Vergangenheit" auseinandersetzt; so Sabine Obermaier, Von Nachtigallen und Handwerkern. 'Dichtung über Dichtung' in Minnesang und Sangspruchdichtung, Tübingen 1995, S. 148. [zurück]

[19] Gabrielle M. Spiegel, Romancing the Past. The Rise of Vernacular Prose Historiography in Thirteenth-Century France, Berkeley/Los Angeles/Oxford 1993. [zurück]

[20] Elisabeth Lienert, Der trojanische Krieg in Basel. Interesse an Geschichte und Autonomie des Erzählens bei Konrad von Würzburg, in: Literarische Interessenbildung im Mittelalter, hrsg. von Joachim Heinzle, Stuttgart-Weimar 1993, S. 266-279, hier S. 271. [zurück]

[21] Ich greife Monika Dachs, Zur Illustration des höfischen Romans in Italien, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 42 (1989), S. 133-154, hier S. 150 heraus: "In den märchenhaften Werken Gentiles da Fabriano, Pisanellos und der Brüder Limburg lebte die romantische Ritterdarstellung noch ein letztes Mal auf". [zurück]

[22] Bastert, 'Ritterrenaissance', S. 488. [zurück]

[23] Bastert, Hof, S. 158. Ausführlicher: Rischer, Literarische Rezeption, S. 46-54, die auf den "Denkmalscharakter" der Sprache abhebt (S. 54). Noch nicht erforscht ist, seit wann es im Deutschen sprachliche Archaismen gibt. Nur aus der Sicht der modernen Sprachwissenschaft erörtert das Thema Thea Schippan, Funktionale Betrachtung von Archaismen, in: Chronologische, areale und situative Varietäten des Deutschen in der Sprachhistoriographie. Festschrift für Rudolf Große, hrsg. von Gotthard Lerchner/Marianne Schröder/Ulla Fix, Frankfurt a. M. u.a. 1995, S. 397-402. Besondere Vorsicht ist bei der Befunderhebung freilich geboten. So glaube ich beispielsweise nicht an den "archaischen Anstrich" der Verse Sebastian Brants auf den Tod Eberhards im Bart von Württemberg, den Vera Sack, Sebastian Brant als politischer Publizist. Zwei Flugblatt-Satiren aus den Folgejahren des sogenannten Reformreichstags von 1495, Freiburg 1997, S. 90f. annehmen will. Zu sehr diktiert der Beweiszweck das Ergebnis. Denn daß diese bislang ernstgenommenen Verse satirisch gemeint seien, wie sie beweisen will, glaube ich nicht. [zurück]

[24] Vgl. William Henry Jackson, Lance and Shield in the buhurt, in: German Narrative Literatur of the Twelfth and Thirteenth Centuries. Studies presented to Roy Wisbey, hrsg. von Volker Honemann u.a., Tübingen 1994, S. 39-54, hier S. 48: Im späten Mittelalter wurde buhurdieren "a stylistic archaism". [zurück]

[25] Vgl. Rüdiger Krüger, Studien zur Rezeption des sogenannten 'Jüngeren Titurel', Stuttgart 1986, S. 150-157, Zitat S. 156. In dieser Arbeit (S. 171-175) ist auch der 'Spruch von den Tafelrundern' - vgl. Nikolaus Henkel, in: Verfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 9 (1995), Sp. 188-190 - sowie ein Eigennamenverzeichnis um 1470 behandelt, Texte, die dem Umkreis Fuetrers und Püterichs am Münchner Hof zugeordnet werden. [zurück]

[26] Zum folgenden vgl. Klaus Graf, Retrospektive Tendenzen in der bildenden Kunst vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Kritische Überlegungen aus der Perspektive des Historikers, in: Mundus in imagine. Bildersprache und Lebenswelten im Mittelalter. Festgabe für Klaus Schreiner, hrsg. von Andrea Löther u.a., München 1996, S. 389-420. [zurück]

[27] Kurt Nyholm, Das höfische Epos im Zeitalter des Humanismus, in: Neuphilologische Mitteilungen 66 (1965), S. 297-313; Wolfgang Harms, Anagnorisis-Szenen des mittelalterlichen Romans und Ulrich Füetrers 'Buch der Abenteuer', in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 95 (1966), S. 301-318, hier S. 316: "Teil der Bemühungen des deutschen Frühhumanismus". Neuerdings wiederaufgenommen von Reinhard Hahn, 'Von frantzosischer zungen in teütsch'. Das literarische Leben am Innsbrucker Hof des späteren 15. Jahrhunderts und der Prosaroman 'Pontus und Sidonia (A)', Frankfurt a. M. u.a. 1990, S. 56. [zurück]

[28] Klaus Graf, Ordensreform und Literatur in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, hrsg. von Johannes Janota/Werner Williams-Krapp, Tübingen 1995, S. 100-159, hier S. 138-146. [zurück]

[29] Burkhard Ellegast, Die Anfänge einer Textkritik zur Regel des heiligen Benedikt in den Kreisen der Melker Reform, in: Stift Melk. Geschichte und Gegenwart 3 (1983), S. 8-91. [zurück]

[30] Vgl. ausführlich Graf, Retrospektive Tendenzen, und die Weiterführung der dort vorgelegten Auswahlbibliographie im Internet. [zurück]

[31] Vgl. Norbert H. Ott, Lieselotte E. Saurma-Jeltsch und Michael Curschmann, in: Wolfram-Studien 12 (1992), bes. S. 121, 150, 170f. [zurück]

[32] Alfred A. Schmid, Burgenromantik im 16. Jahrhundert, in: Schlösser, Gärten, Berlin. Festschrift für Martin Sperlich, Tübingen 1980, S. 25-34. Vgl. auch Brage Bei der Wieden, Die Idee der Burg. Zu den Voraussetzungen des Schloßbaus in der Weserrenaissance, in: Der Adel in der Stadt des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Marburg 1996, S. 59-74, hier S. 65f. [zurück]

[33] Abbildung bei Graf, Retrospektive Tendenzen, S. 420. [zurück]

[34] Peter Strohschneider, "Lebt Artus noch zuo Karydol, so stünd es in der welte baß." Von der Aktualität des Vergangenen in höfischer Versepik des ausgehenden Mittelalters, in: LiLi 18 (1988), H. 70, S. 70-94, hier S. 87. [zurück]

[35] Wolfgang Liepe, Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Entstehung und Anfänge des Prosaromans in Deutschland, Halle a. S. 1920, S. 228. [zurück]

[36] Text bei Ralf Konczak, Studien zur Druckgeschichte zweier Romane Elisabeths von Nassau-Saarbrücken. "Loher und Maller" und "Herpin", Frankfurt a. M. u.a. 1991, S. 173. [zurück]

[37] Romane des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach den Erstdrucken mit sämtlichen Holzschnitten, hrsg. von Jan-Dirk Müller, Frankfurt am Main 1990, S. 345-347. Zur Bearbeitung von 1537 vgl. Jan-Dirk Müller, Held und Gemeinschaftserfahrung. Aspekte der Gattungstransformation im frühen deutschen Prosaroman am Beispiel des 'Hug Schapler', in: Daphnis 9 (1980), S. 393-426. [zurück]

[38] Zur historischen Distanzierung im "Wigalois"-Druck vgl. Jan-Dirk Müller, Funktionswandel ritterlicher Epik am Ausgang des Mittelalters, in: Gesellschaftliche Sinnangebote mittelalterlicher Literatur, hrsg. von Gert Kaiser, München 1980, S. 11-59, hier S. 30. [zurück]

[39] Für die Zeit um 1500 ist aber auf die wichtigen Beiträge von Jan-Dirk Müller zum Fremdwerden der Texte und der erzählerischen Bewältigung der eingetretenen historischen Distanz mit allem Nachdruck hinzuweisen. Am ausführlichsten ist das Thema behandelt bei Jan-Dirk Müller, 'Alt' und 'neu' in der Epochenerfahrung um 1500. Ansätze zur kulturgeschichtlichen Periodisierung in frühneuhochdeutschen Texten, in: Traditionswandel und Traditionsverhalten, hrsg. von Walter Haug/Burghart Wachinger, Tübingen 1991, S. 121-144 (S. 124f. wird die Distanzerfahrung exemplarisch an der Neubearbeitung des "Hug Schapler" von 1537 demonstriert). Zu einem sich ansatzweise in der Heldenepik artikulierenden "Bewußtsein historischer Distanz" zur dargestellten Heldenzeit vgl. Derselbe, Wandel von Geschichtserfahrung in spätmittelalterlicher Heldenepik, in: Geschichtsbewußtsein in der deutschen Literatur des Mittelalters, hrsg. von Christoph Gerhardt/Nigel F. Palmer/Burghart Wachinger, Tübingen 1985, S. 72-87; Derselbe, Bei heldes zeiten. Anmerkungen zum Beginn des 'Nibelungenliedes' k, in: Verstehen durch Vernunft. Festschrift für Werner Hoffmann, hrsg. von Burkhardt Krause, Wien 1997, S. 271-278. - Wenigstens erwähnt seien die teilweise anregenden, methodisch aber nicht unproblematischen Studien zur Mittelalter-Rezeption in Mittelalter (!) und Renaissance: Frank L. Borchardt, Medievalism in Renaissance Germany, in: Creative Encounter. Festschrift for Herman Salinger, hrsg. von Leland R. Phelbs, Chapel Hill 1978, S. 73-85; Gerhild Scholz-Williams, Vergegenwärtigung der Vergangenheit: Das Mittelalter im 15. Jahrhundert, in: Das Weiterleben des Mittelalters in der deutschen Literatur, hrsg. von James F. Poag/Derselben, Königsstein 1983, S. 13-24; Dieselbe, Historiam narrare: Geschichte und Mittelalterrezeption im spätmittelalterlichen Deutschland, in: Mittelalter-Rezeption. Ein Symposium, hrsg. von Peter Wapnewski, Stuttgart 1986, S. 32-35. [zurück]

[40] Zur editorischen Tätigkeit der Humanisten vgl. die Hinweise bei Dieter Mertens, Früher Buchdruck und Historiographie. Zur Rezeption historischen Literatur im Bürgertum des deutschen Spätmittelalters beim Übergang vom Schreiben zum Drucken, in: Studien zum städtischen Bildungswesen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, hrsg. von Bernd Moeller/Hans Patze/Karl Stackmann, Göttingen 1983, S. 83-111, hier S. 110f. Exemplarisch kann Cuspinians Betonung der sprachlichen Distanz in seiner Ausgabe Ottos von Freising von 1515 zitiert werden (ebd., S. 110): "habent enim singula saecula suum loquendi morem". - Für handschriftliche Werke des 15. Jahrhunderts will ich nur zwei Hinweise geben: Felix Hemmerlis Bemühungen um das Werk des Zürcher Chorherrn Konrad von Mure aus dem 13. Jahrhundert, vgl. Erich Kleinschmidt, Konrad von Mure, in: Verfasserlexikon 2. Aufl. 5 (1985), Sp. 236-244 und die "Ausgaben" älterer Schwesternbücher durch den reformgesinnten Dominikaner Johannes Meyer 1454, vgl. Ruth Meyer, Das 'St. Katharinentaler Schwesternbuch'. Untersuchung - Edition - Kommentar, Tübingen 1995, S. 44, 66-72. [zurück]

[41] Erich Busse, Augustin von Hammersteten. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Literatur im Ausgange des Mittelalters, Diss. Marburg 1902, S. 15. - Die bislang der Germanistik bekannten Daten zur Biographie Hammerstettens, zeitweise württembergischer Kanzler, vgl. zuletzt Walter Blank, in: Literaturlexikon, hrsg. von Walter Killy 4 (1989), S. 500f., werde ich an anderer Stelle ergänzen. Der Forschung ist z.B. der schon 1849 im Archiv für Schweizer Geschichte (Bd. 6, S. 160-162) abgedruckte Brief Hammerstettens an den kaiserlichen Prokuratur Johannes Ver vom Jahr 1481 entgangen. [zurück]

[42] Vgl. z.B. jüngst Claudine Mouline-Frankhänel, Althochdeutsch in der älteren Grammatiktheorie des Deutschen, in: Grammatica Ianua Artium. Festschrift für Rolf Bergmann, hrsg. von Elvira Glaser/Michael Schlaefer, Heidelberg 1997, S. 301-325. [zurück]

[43] Vgl. dazu die opulent illustrierte Monographie von Alain Schnapp, The Discovery of the Past, New York 1997 (ursprünglich Paris 1993). [zurück]

[44] Vgl. ausführlicher Graf, Retrospektive Tendenzen, S. 406-409. [zurück]

[45] Vgl. etwa Klaus Graf, Fürstliche Erinnerungskultur. Eine Skizze zum neuen Modell des Gedenkens in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert, in: Les princes et l'histoire du XIVe au XVIIIe siècle, hrsg. von Chantel Grell/Werner Paravicini/Jürgen Voss, Bonn 1998, S. 1-11, hier S. 3. [zurück]

[46] Zu den Rahmenbedingungen vgl. Tilo Brandis, Die Handschrift zwischen Mittelalter und Neuzeit. Versuch einer Typologie, in: Gutenberg-Jahrbuch 1997, S. 27-57 (auch separat). [zurück]

[47] Karl-Heinz Spiess, Zum Gebrauch von Literatur im spätmittelalterlichen Adel, in: Kultureller Austausch und Literaturgeschichte im Mittelalter, hrsg. von Ingrid Kasten/Werner Paravicini/René Pérenec, Sigmaringen 1998, S. 85-101. [zurück]

[48] Zu den Hamburger Handschriften vgl. die Farbmikrofiche-Editionen von Huge Scheppel/Königin Sibille, München 1993 mit Einführung von Jan-Dirk Müller und Loher und Maller, ebd. 1995 mit Einführung von Ute von Bloh. Vgl. auch Jan-Dirk Müller, Späte Chanson de geste-Rezeption und Landesgeschichte. Zu den Übersetzungen der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, in: Wolfram Studien 11 (1989), S. 206-226. [zurück]

[49]Vgl. Hartmut Beckers, Literarische Interessenbildung bei einem rheinischen Grafengeschlecht um 1470/80: Die Blankenheimer Schloßbibliothek, in: Literarische Interessenbildung, S. 5-20. [zurück]

[50]Vgl. ebd., S. 16; Martina Backes, Das literarische Leben am kurpfälzischen Hof zu Heidelberg im 15. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Gönnerforschung des Spätmittelalters, Tübingen 1992, S. 166f. Zu seiner Biographie vgl. zuletzt Thorsten Flick, Wirich IV. von Daun-Oberstein, in: Heimat und Museum. Festschrift für Alfred Peth, Idar-Oberstein 1996, S. 155-180. [zurück]

[51]John A. Asher, Der übele Gêrhart. Einige Bemerkungen zu den von Gabriel Sattler geschriebenen Handschriften, in: Festschrift für Hans Eggers, hrsg. von Herbert Backes, Tübingen 1972, S. 416-427, hier S. 421. [zurück]

[52]Thomas Cramer, Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter, München 1990, S. 90. Von der "Faszination des Dunklen, Strengen und Esoterischen" spricht Ingeborg Glier, Artes amandi. Untersuchungen zu Geschichte, Überlieferung und Typologie der deutschen Minnereden, München 1971, S. 262. [zurück]

[53] Tristan und Isolde (Augsburg bei Antonius Sorg, 1484). Mit einem Nachwort von Helga Elsner, Hildesheim/Zürich/New York 1989, letzte Seite des Faksimiles. Vgl. auch Liepe, Elisabeth, S. 55f. [zurück]

[54] Vgl. z.B. Glier, Artes, S. 391. [zurück]

[55] Auch die bemühten Versuche, Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, ihren Gatten und ihren Sohn als besonders "modern" zu erweisen haben nur wenig zum wirklichen Verständnis ihrer Zeit beigetragen, vgl. etwa Bernhard Burchert, Die Anfänge des Prosaromans in Deutschland. Die Prosaerzählungen Elisabeths von Nassau-Saarbrücken, Frankfurt a. M./Bern/New York 1987. [zurück]

[56] Text der Vorrede: Des Conrad Grünenberg Ritters und Burgers zu Costenz Wappenbuch, hrsg. von Rudolf Stillfried-Alcant ra/Adolf Matthias Hildebrandt, Görlitz 1875, S. III-IV. Vgl. Winfried Stelzer, Konrad Grünenberg, in: Verfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 3 (1981), Sp. 288-290, hier Sp. 289; Wolfgang Irtenkauf, Die Handschrift HB XIII 1 der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, in: Die Weingartner Liederhandschrift. Textband, Stuttgart 1969, S. 7-28, hier S. 8-10; Klaus Graf, Feindbild und Vorbild. Bemerkungen zur städtischen Wahrnehmung des Adels, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 141 (1993), S.121-154, hier S. 152. [zurück]

[57] Über die Gräber der alten Meister, die frühesten Belege für die Grabstätten der mittelhochdeutschen Dichter, handelt Hannes Kästner, Die Gräber der alten Meister. Über die Entstehung der ersten literarischen Gedenkstätten in Deutschland, in: "Ze hove und an der strâzen". Die deutsche Literatur des Mittelalters und ihr "Sitz im Leben". Festschrift für Volker Schupp, hrsg. von Anna Keck/Theodor Nolte, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 237-253. [zurück]

[58] Vgl. Andreas Ranft, Die Turniere der vier Lande: Genossenschaftlicher Hof und Selbstbehauptung des niederen Adels, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 142 (1994), S. 83-102. [zurück]

[59] Ausgabe von Heide Stamm, Das Turnierbuch des Ludwig von Eyb (cgm 961). Edition und Untersuchung. Mit einem Anhang: Die Turnierchronik des Jörg Rugen (Textabdruck) (Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik 166), Stuttgart 1986, S. 235-292. Zu Rugen vgl. Klaus Graf, Geschichtsschreibung und Landesdiskurs im Umkreis Graf Eberhards im Bart von Württemberg (1459-1496), in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 129 (1993), S. 165-193, hier S. 185. [zurück]

[60] Einen Hinweis verdienen an dieser Stelle die das Konzept "Ritterromantik" ablehnenden Interpretationen Horst Wenzels zu den "restaurativen Tendenzen" (S. 293) im Adel, die er am Beispiel der Schriften Georgs von Ehingen, Ludwigs von Eyb (Wilwolt von Schaumburg) und Maximilians durchführt: Horst Wenzel, Höfische Geschichte. Literarische Tradition und Gegenwartsdeutung in den volkssprachigen Chroniken des hohen und späten Mittelalters, Bern/Frankfurt a. M./Las Vegas 1980, S. 254-345. Aufgegriffen hat diese Perspektive seine Schülerin Stamm (wie vorige Anmerkung). Wie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine historiographische Fiktion aus dem Kreis des nichtfürstlichen Adels Schwabens, die als Thomas Lirers "Schwäbische Chronik" bekannte Prosahistorie, mit der traditionellen Idealität des Rittertums umgeht, habe ich gezeigt in: Klaus Graf, Exemplarische Geschichten. Thomas Lirers "Schwäbische Chronik" und die "Gmünder Kaiserchronik", München 1987. [zurück]

[61] Heinrich Christian Senckenberg, Selecta iuris et historiarum [...] tomus III, Frankfurt am Main 1735, S. 318 ('Chronica und altes Herkommen'); ebd. tomus IV, 1739, S. 414 ('Hessische Chronik'); vgl. Peter Johanek, Johannes Nuhn, in: Verfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 6 (1987), Sp. 1240-1247, hier Sp. 1244; Müller, Späte chanson de geste-Rezeption, S. 208f. [zurück]

[62] Zur Eignung des Begriffspaars "Herkommen" und "Exemplum", die Eigenarten spätmittelalterlicher Territorialchronistik zu erfassen, vgl. Peter Johanek, Geschichtsschreibung und Geschichtsüberlieferung in Augsburg am Ausgang des Mittelalters, in: Literarisches Leben, S. 160-182, hier S. 173: "Chroniken dieser Art legen die genealogische Linie der jeweiligen fürstlichen Dynastie dar und legitimieren dadurch ihre Herrschaft. Diese Legitimierung wird verstärkt durch die Klarlegung des Ursprungs des Geschlechts, eben des 'Herkommens' und durch die Einbettung in die Universalgeschichte. Die Verzeichnung der Gesta, der Taten der Fürsten, bietet Exempel als Vorbild oder zur Abschreckung". Näheres zum Begriffspaar und zum Herkommenbegriff bei Klaus Graf, Genealogisches Herkommen bei Konrad von Würzburg und im 'Friedrich von Schwaben', in: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft 5 (1988/1989), S. 285-295; Derselbe, Heroisches Herkommen. Überlegungen zum Begriff der "historischen Überlieferung" am Beispiel heroischer Traditionen, in: Das Bild der Welt in der Volkserzählung, hrsg. von Leander Petzoldt/Ingo Schneider/Petra Streng, Frankfurt a.M. usw. 1993, S. 45-64; Derselbe, Geschichtsschreibung und Landesdiskurs, S. 166. [zurück]

[63] Haubrichs, Kraft, S. 14. [zurück]

[64] Ebd., S. 17. [zurück]

[65] Vgl. nur: Karl der Große als vielberufener Vorfahr. Sein Bild in der Kunst der Fürsten, Kirchen und Städte, hrsg. von Lieselotte E. Saurma-Jeltsch, Sigmaringen 1994. [zurück]

[66] Vgl. Yvon Lacaze, Le rôle des traditions dans la genèse d'un sentiment national au XVe siècle. La Bourgogne de Philippe Le Bon, in: Bibliothèque de l'École des chartes 129 (1971), S. 303-385. [zurück]

[67] Dagmar Thoss, Das Epos des Burgunderreiches Girart de Roussillon, Granz 1989. Vgl. auch Gerhild Scholz-Williams, Girart de Roussillion: Epos und Historie im Dienste Burgunds, in: LiLi 18 (1988), H. 70, S. 54-69. [zurück]

[68] Vgl. Dagmar Thoss, Flämische Buchmalerei. Handschriftenschätze aus dem Burgunderreich, Graz 1987, S. 34-37 Nr. 4. [zurück]

[69] Vgl. Heribert Müller, Kreuzzugspläne und Kreuzzugspolitik des Herzogs Philipp des Guten von Burgund, Göttingen 1993. [zurück]

[70] Die neuere kunsthistorische Forschung zur burgundischen Kunst hat sich von dem Konzept "Ritterromantik" jedoch entschieden distanziert, vgl. Birgit Franke, Ritter und Heroen der "burgundischen Antike". Franko-flämische Tapisserie des 15. Jahrhunderts, in: Städel-Jahrbuch NF 16 (1997), S. 113-146, hier S. 113. Abgelehnt wird das Konzept "Romantik" bzw. "Nostalgie" als Erklärung der geistigen Kultur Burgunds ebenfalls von Arie Johan Vanderjagt, Qui sa vertu anoblist. The Concepts of noblesse and chose publicque in Burgundian Political Thought, Diss. Groningen 1981, S. 25 und öfter. [zurück]

[71] Vgl. Maurice Keen, Das Rittertum, Reinbek 1991, S. 311, 329f. Zur burgundischen Festkultur vgl. Birgit Franke, Feste, Turniere und städtische Einzüge, in: Kunst der burgundischen Niederlande. Eine Einführung, hrsg. von Birgit Franke/Barbara Welzel, Berlin 1997, S. 65-84. [zurück]

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